Zurück

Das waren bisher die schlimmsten Jahre meines Lebens, aber nun ist es vorbei. Ich trauere und ich akzeptiere, daß die Trauer nun zu meinem Leben gehört, und das ist ein gewisser Trost, denn so sind sie immer bei mir. Schwerer ist es, meine persönlichen Erfahrungen in dieser Zeit zu verarbeiten. Ich hatte mich selbst völlig verloren. Ich konnte keine Schönheit mehr finden und nicht mehr kreativ sein. Ich war nur todmüde. Aber mit der Zeit wurde es hier immer gemütlicher und wohltuender. Ein lebendiges Haus, denn Rudi wohnt immer noch hier und es ist einfach nur prima. Im Winter hatte ich ganz oft den Kamin an, und inzwischen habe ich geschnallt, daß ich nun einen eigenen Garten habe. Eigentlich ist es nur eine Terrasse mit einem Grünstreifen drumrum, in dem aber Pflanzen jahrzehntelang wachsen durften, so daß eine kleine Oase entstanden ist. Ich habe bisher in Gärten immer nur Unkraut entfernt, aber nun bin ich dabei, selber zu pflanzen, zu gestalten und zu hegen und entdecke meine Freude daran. Und kann wieder Schönheit erkennen. Natürlich habe ich auch einen Gartenofen.

Das war alles sehr heilsam. Irgendwann merkte ich, daß ich mich eigentlich gar nicht mehr einsam fühle, und war erstaunt, als ich feststellte, daß ich mich nicht mehr klein und geduckt und verletzlich fühlte, gehetzt. Die Angst verschwand nach und nach und ich bin zum ersten Mal in meinem Leben fähig, ganz ehrlich meine Meinung zu sagen, mich selbst gut zu vertreten und zu spüren (und zu akzeptieren) daß ich auch mal wütend bin. Das liegt natürlich auch an den Medikamenten, daß ich inzwischen richtig stabil geworden bin, aber auch an den neuen Lebensumständen. Ab März letzten Jahres war ich in einer Maßnahme vom Jobcenter, die angenehm niederschwellig begann, und vor kurzem damit endete, daß ich bei der Firma, bei der ich 2 Monate Praktikum gemacht hatte, fest angestellt wurde. Eine kleine Kunst- und Feingiesserei mit 12 netten Kolleg:innen und der Chef ist auch ok. Meine Aufgabe besteht darin, Wachs in Silikonformen zu spritzen, und die Wachse dann peinlich genau zu versäubern. Unter einer Riesen Lupe. Und das möglichst schnell. Ich war immer jemand, der sehr sorgfältig und genau arbeitete, aber ich war immer zu langsam. Es war eine Herausforderung, aber ich kriege es langsam hin. Hört sich vielleicht langweilig an, und es ist eine absolute Fieselarbeit, aber mir gefällt es. Ich arbeite nur mit den Augen und den Händen und kann dabei wunderbar abschalten. Nach 6 Stunden gehe ich heim, und habe den Kopf frei für meine Sachen. Nur für meine Augen ist es wirklich anstrengend.

Mit 59 Jahren und nach 7 Jahren ohne Berufsleben draussen unter Menschen, in Pandemiezeiten, und mit meiner Erkrankung und meiner Vorgeschichte noch einen guten und machbaren Job zu finden, grenzt an ein Wunder. Tatsächlich haben mir aber sowohl das Jobcenter, als auch die von der Maßnahme total geholfen. Eine Menge Leute, die sich richtig für mich eingesetzt haben. Auch in dem Betrieb. Aber ich bin auch stolz auf mich, weil ich alles gegeben habe, aber trotzdem gut auf mich achten konnte, nichts persönlich genommen habe und gute Arbeitszeiten und Pausen ausgehandelt habe.

Das Einzige, was mir ein bißchen Sorgen macht, ist meine Gesundheit. Ich habe sehr ungesund gelebt, und ein paar Monate ziemlich viel Alkohol getrunken. Ich habe sehr zugenommen und mich sehr wenig bewegt. Ich wusste, daß ich meinen Kurs ändern muss, aber ich habe es einfach nicht geschafft. Ich glaube, unbewusst wollte ich sogar krank werden. Doch dann bekam ich üble Anfälle von Atemnot und nach einigen Untersuchungen kam raus, daß ich eine Fettleber habe. Und siehe da – da ist auf einmal wieder Lebenswille. Ich habe sofort meine Ernährung verändert und trinke vorerst keinen Alkohol mehr. Ich bin sehr dankbar, ich habe in meinem Leben phasenweise echt viel gesoffen, aber ich bin nie abhängig geworden und konnte jederzeit ohne Entzugserscheinungen aufhören, so wie zur Zeit auch. Nun scheine ich mich doch tatsächlich retten zu wollen.

Ich hoffe, Euch geht es gut!

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Lebenszeichen

Es ist schon wieder so lange her, daß ich geschrieben habe.

Ich hoffe es geht Euch Allen gut!

In den letzten Monaten ging es mir ziemlich schlecht. Bis 3 Monate nach dem Tod meiner Mutter bin ich rumgestolpert wie ein kopfloses Huhn, immer noch in dem „Roten-Alarm“-Zustand, der mich die letzten 6 Jahre in immer größerem Maß begleitet hat. Die ganze Zeit habe ich funktioniert wie eine Maschine und bin nicht ein Einziges Mal krank gewesen. In diesen 3 Monaten, in denen auch der Lockdown war, bin ich jeden Tag in mein leeres Elternhaus gefahren und habe Schränke ausgeräumt. Allein an Klamotten waren es 20 Kleidersäcke, die ich von der Caritas abholen liess. In dieser Zeit ergab es sich, dass ein Freund meines Bruders, der in einer Notlage war, in meiner alten Wohnung im Haus unterm Dach ein Refugium fand. Ich weiss ja wie es ist, wenn man flüchten muss, schliesslich bin ich selbst auf diese Weise für 4 Jahre an meinem letzten Wohnort gelandet. Ich habe lange gebraucht, bis ich soweit war, auch nur dran zu denken, ich könnte in meinem Elternhaus leben, aber nach ein paar Wochen des Kennenlernens mit diesem tollen, freundlichen Menschen, und gleichzeitig einem immer mulmiger werdenden Gefühl mit den Vermietern meines alten Wohnung, wagte ich den Sprung. In Rekordzeit renovierte ich das ehemalige Schlafzimmer meiner Eltern, und organisierte meinen komplizierten Umzug in 2 Stufen. Ohne Rudi, meinen Mitbewohner, hätte ich das alles nicht geschafft, ich hätte es überhaupt nicht getan. Ohne, daß ich danach gesucht hätte, ist mein Traum von einer WG, in der Freundlichkeit, Emphatie und Mitgefühl herrschen, wahr geworden. Zudem ist Rudi handwerlich total versiert, bis hin zur Elektrik, und äusserst hilfsbereit.

Als der Umzug mit allem Drum und dran geschafft war, bin ich einfach umgefallen. Ich fiel in eine tiefe Depression, die wahrscheinlich auch durch eine Umstellung meiner Psychopharmaka in dieser Zeit mit ausgelöst wurde, aber natürlich hauptsächlich durch meine Verluste und der traumatischen Zeit, die ich durchlebt habe. Einen Monat lang dachte ich jeden Tag, daß ich sterben will, malte mir aus, wie ich es tun könnte, quälte mich durch jeden Tag. Nur der Gedanke, es meinem Umfeld nicht antun zu wollen, stand zwischen dem wirklichen Entschluss. Zum Glück habe ich einen wirklich super Therapeuten. Der gibt mir nach jeder Sitzung Mantras mit auf den Weg, und in dieser Zeit war es: „Will ich mich retten?“ Diesen Satz sollte ich am Tag 1000 Mal wiederholen, und mir auch Gedanken zum Thema „Selbstverachtung“ machen. Hat echt geholfen, und es gelang ihm auch, nach und nach, in mir ein Verständniss für MICH zu erzeugen, für das was ich geleistet habe in den letzten Jahren. Langsam kann ich es mir zugestehen, daß ich erschöpft und in einer Trauer bin, die nicht so leicht zu verarbeiten ist. Ich hab dann erst mal meiner Erschöpfung nachgegeben, jede Nacht 10 bis 12 Stunden geschlafen, und nur getan, was wirklich nötig war. Natürlich kam eine Menge Bürokratie-Gelöt auf mich zu, aber so gestresst ich davon am Anfang auch , war, so geht es inzwischen langsam besser.

Insgesamt spüre ich, daß es mir besser geht. Rudi ist inzwischen ein richtiges WG-Mitglied geworden, mit Mietvertrag und allem. Er ist ein Mensch, wie man ihn sich in seiner Nähe wünscht, verbindlich und gleichzeitig sehr respektvoll. Nachdem ich meine derzeitige Schwäche akzeptiert habe, und ihr Rechnung trage, kommt meine Kraft langsam zurück. Ausserdem habe ich eine alte Leidenschaft wieder aufleben lassen: Das Lesen. Wieder eine glückliche Fügung: Mein Nachbar, der auch vor kurzem Witwer geworden ist, und den ich oft besuche, hat eine Krimisammlung von bestimmt 300 Büchern. Gute Krimis. Anstatt stundenlang sinnlos rumzugrübeln, lese ich nun in jeder freien Minute. Es gibt Tage, da spült die Vergangenheit hoch, und dann schreibe ich stundenlang in mein Tagebuch, was mir guttut. Aber durch das Lesen kreise ich nicht mehr so um meine schwierige Situation, und ich habe das Gefühl, dabei kann etwas heilen. Heilsam ist auch die Freundlichkeit, die in meinem Haus jetzt herrscht, und auch das Aufgefangensein durch meinen Bruder der nur 2 Häuser weiter wohnt.

Heute morgen bin ich aufgewacht, und fühlte mich wie ein kleines Mädchen, verletzlich, doch auch fröhlich und zärtlich. Ich glaube, daß es ein Teil von meinem inneren Kind ist, ein Part meiner Persönlichkeit, das lange verschüttet war. Das macht mir Hoffnung. Es sagt mir, dass an dem Satz: „Die Zeit heilt alle Wunden“ auf jeden Fall was dran ist, und, auch wenn ich noch viel Zeit brauche, es auf jeden Fall jetzt spürbar aufwärts geht.

Ich wünsch Euch was!!!

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Und wieder…

hat der Schnitter jemanden aus meiner Familie geholt. Meine Mutter ist gestorben. Sie starb friedlich im Krankenhaus, so wie die Anderen auch. Sie sah aus, als ob sie schliefe. Es war ein gnädiger Tod. Ich wünschte mir, daß sie jetzt wieder mit meinem Vater vereint ist, den sie so sehr geliebt hat. Die Trauerfeier haben wir allerdings auf unbestimmte Zeit verschoben, da viele alte Menschen unter den Gästen sein würden.

Überhaupt bin ich jetzt, ausser zum Einkaufen, Zuhause. Mein Vermieter, der im Haus wohnt, ist Corona-Risikopatient, und da wird alles andere unwichtig. Wegen mir hab ich gar keine Angst, aber das Schlimmste wäre, würde ich jemanden anstecken, der es nicht verkraftet. Ich habe kein Essen und kein Klopapier gehortet, dafür Glaubersalz gekauft. Sollte es wirklich richtig schlimm kommen, kann ich noch immer fasten. Da ich auch vorher schon viel allein zuhause war, ist es gar nicht so schlimm, wie es sicher für viele Menschen gerade ist. Und es gibt immer irgendwas zu tun, und wenn nicht, kann ich immer noch sticken.

Bleibt gesund, Ihr Alle!!!

 

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Schwere Zeiten

Ich weiß gar nicht, ob hier überhaupt noch jemand mitliest. Aber ich habe das Bedürfnis, zu schreiben, und vielleicht erreicht es ja jemanden.

Hier ist soviel passiert in den letzten 14 Monaten, daß ich überhaupt nicht mehr hinterherkomme. Erst starb mein Bruder, vorletzten Herbst, dann letzten November mein Vater und letzte Woche ganz plötzlich und unerwartet mein Neffe. Im Moment weiß ich nicht, wie ich das verarbeiten soll. Meine Mutter ist inzwischen hochdement und weitestgehend bettlägerig und wird von unserer litauischen Perle sehr gut gepflegt.

Ich funktioniere mehr oder weniger, kümmere mich mit meinem Bruder um alles, was rund um die Mutter ist, und das ist mal mehr, mal weniger, mal ruhig und mal sehr stressig.

Morgen ist in einem Friedwald die Trauerfeier für meinen Neffen, der mir von unserer Familie der Liebste war, weil wir, vor allem, was die Psyche angeht, auf der gleichen Ebene waren. Er war 38 Jahre alt. Nun ist mein Bruder der einzige Mann in der Familie, die jetzt noch aus 3 Personen besteht, die Blutsverwandt sind (meine Großcousine und ich), und 2 Frauen (Ex-Frau meines Bruders, und die Freundin meines Neffen), die einfach zur Familie dazugehören.

Das ist es, was ich berichten wollte. Ich hoffe sehr, die lieben Menschen, die ich hier kannte, sind noch da und wohlauf!

 

 

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Urlaub

Das erste Mal seit 4 Jahren. Konnte mir einen lange gehegten Wunsch erfüllen und bin für 2 Wochen allein zum Zelten auf einen Campingplatz im Burgund in Frankreich.

Früher bin ich viel alleine gereist, aber die großen Reisen sind lange her und gezeltet hab ich auch ewig nicht mehr. Es ist einfach alles gut gegangen, der Platz war wunderschön, ich stand direkt an einem See, ein Zelt,  ein Kocher und ein volles Auto. In den ersten Tagen war ich einsam unter vielen, bin viel gelaufen und fand durch Lauschen immer wieder in den Moment. Ich hab dann nach ein paar Tagen ein sehr nettes Ehepaar kennengelernt, mit denen ich viel unternommen habe. Ganze Bücher hab ich gelesen, jeden Abend köstlich und wohlbedient im Restaurant gegessen, Kajak und E-Bike gefahren. 2 Wochen bequem und beschützt in meinem Zeltchen geschlafen wie ein Baby. Und da ich Dussel meine Kreditkarte vergessen hatte, hatte ich kein Internet auf dem Handy und auch das hat sich als sehr erholsam herausgestellt. Mal alles vergessen. Richtig Abstand gewinnen.

Bin froh, daß ich es gemacht habe, meine Angst überwinden konnte, und gesehen habe, wie einfach ich leben kann.

Jetzt hab ich viel Unangenehmes vor mir (z.B.: Zähne, TÜV), nehme die Versorgung meiner Eltern mit Inkontinenzmaterial und Medikamenten wieder auf, und gehe auf Arbeitssuche.

Angefixt bin ich vom E-Bike fahren und werde einen guten Teil meiner Erbschaft für ein Solches ausgeben. Ist die Lösung meiner Bewegungsprobleme (ich kann nicht gut joggen) und mach überdies voll Spaß.

Burgund ist eine Reise wert!

 

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Vater

Mein Vater ist wohl auf dem Weg zum Sterben. Heute hatte er, der einen Herzfehler hat, einen Anfall mit Atemnot, und ich dachte jetzt ist es soweit. Wurde wieder ins Krankenhaus eingeliefert, das dritte Mal in 4 Monaten. Jetzt ist er wieder stabil, aber es kann immer wieder kommen.

Mein Vater war früher ein harter Knochen. Produktmanager von Beruf, Personalchef bei seiner Firma, durch und durch Ingenieur, war er es gewohnt, das Alpha-Tier zu sein. Als ich klein war, war ich seine kleine Prinzessin, und er war ein sehr guter Vater, für kleine Kinder. Als ich in die Pubertät kam, war es die Hölle mit ihm. „Solange Du die Füsse unter meinen Tisch steckst, etc., Man kann nicht mit Emotionen diskutieren, und: Du bist eine Investition“ waren die Freundlichkeiten, die er mir an den Kopf warf. Ich glaube er war mit mir völlig überfordert. Ich hatte lange Angst vor ihm, vor unvermeidlichen Standgerichten und Erwartungen.

Das hat sich in den letzten 4 Monaten und vor allem in den letzten Wochen völlig aufgelöst. Er nimmt noch klar wahr, daß ich da bin, mich um ihn kümmere. Wir haben eine kleine Komplizenschaft gegen Mama, er weiß, daß ich ihm beistehe, sie von ihm abschotte, so gut ich kann. Ich finde er ist sehr tapfer und würdevoll und ich bin stolz auf ihn deswegen.

Ich bin mit ihm völlig ausgesöhnt und es herrscht eine große Liebe zwischen uns. Das ist sehr schön und berührend.

Es ist im Moment nicht abzusehen, wie lange er noch da ist. Aber ich bin viele Stunden an seinem Bett gesessen, ob zuhause oder im Krankenhaus, und habe das Gefühl, wenn er geht, sind wir miteinander im Reinen.

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Mal wieder…

Ich weiss, es ist lange her. Es ist soviel passiert und ich hatte eine lange Phase, in der ich nicht im Internet war.

Im Moment sitze ich in meinem Elternhaus in meiner alten Küche, die ich mit unserer 24 Stundenpflegekraft aus der Slowakei teile. Mein Vater ist. nach mehreren Krankenhausaufenthalten zum Pflegefall geworden, und meine Mutter, die zwischenzeitlich in der Psychatrie war, ist sehr dement geworden und auch schwierig, sie wird bei der Pflegerin mit der Zeit aggressiv, und die Pflegerin kann damit nicht umgehen. Mein Segen und Fluch ist, daß ich meine Mutter meistens händeln kann, und mittlerweile auch keine Angst mehr vor ihrer Aggression habe, wie früher. Ich kann es mittlerweile ertragen, wenn sie sauer auf mich ist, und das nimmt ihr den Wind aus den Segeln. Bin jetzt seit 2 Wochen wieder hier im Haus, kann kaum weg, und hab nur in den Abendstunden und nicht immer Nachts Ruhe. Hab mir deshalb mein Laptop von Zuhause geholt und mich meines Blogs erinnert.

Ich habe eine Therapie angefangen und es hilft mir mit der Zeit ein wenig. Ich bin erschöpft und hatte Phasen, in denen ich dachte, ich kann jetzt bald nicht mehr, aber während um mich rum alle ständig schwer erkältet sind, bleibe ich gesund. Bewege mich sehr in einem Erwachsenen-Ich (was ich nicht immer habe), bin sehr ergeben in die unabsehbare Situation.

Bei meinem Vater wissen wir nicht so recht, ob er am Sterben ist oder noch nicht. Ich fürchte ihn nicht länger (er war früher ein knallharter Vater). Er ist geistig klar und kriegt alles mit, liegt fest im Bett und ist sehr tapfer. Meine Mutter akzeptiert nicht, daß er nicht mehr aufstehen kann und zankt jeden Tag mit ihm rum, was ihn sehr belastet.

Manchmal fürchte ich mich schon um meine Gesundheit, hoffe, daß ich aus der Nummer heil rauskomme. Ich kann es nur so sehen, daß ich gerade einen karmischen Prozess durchlaufe. ich kann nichts anderes tun, als mich in die Situation zu ergeben. Mein bestes zu geben (was auch bedeutet, das Beste für mich, im Rahmen der Situation, aus der ich nicht raus kann).

Viel Liebe ist im Spiel in dieser Familie und auch im Umgang mit der Pflegerin (die in 4 Tagen von einer anderen abgelöst wird). Die Neue (alte, weil sie schon mal da war) hat weniger Angst vor Aggression und unser aller Hoffnung und vor allem Meine ist, dass sie mit meiner Mutter alleine klarkommt, so dass ich wieder Zuhause schlafen kann und Termine wahrnehmen. Wir denken auch schon an eine Unterbringung im Heim, aber mein Vater, so sehr er unter ihr leidet, will sich noch nicht von ihr trennen.

Ja, so ist mein Leben gerade und es ist nicht abzusehen wie es weiter geht. Ich kann nur weitermachen. Es gibt auch schöne Momente und ich umarme jede Pause.

 

Grüße an Euch Alle!

 

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Lange her

Und ich habe auch lange gehadert, überhaupt zu schreiben.

Wenn es mir längere Zeit nicht gut geht, neige ich dazu, ganz still zu werden.

Ich ziehe mich zurück, weil ich niemandem mit Gejammer zur Last fallen möchte. Denn ich kreise dann um mein Thema und kann auch fast über nichts anderes reden. Small Talk fällt mir schwer und von meinem Humor, den ich selbst wunderbar finde, fehlt jede Spur.

Doch ich bin lieb ermuntert worden, und wage es, Euch zu berichten.

Derzeit (seit 1 Monat und noch 1 Monat) absolviere ich eine Schulung (kaufmännische Weiterbildung, so gar nicht mein Thema), die mir vom Arbeitsamt verdonnert wurde. Es ist 4 Stunden vor dem Computer sitzen und lesen in einem Raum voller Leute, die dasselbe tun. Arbeiten schreiben, und Zuhause lernen. Der Stoff fällt mir schwer. Muss aber sagen, daß die Rahmenbedingungen (Organisation, Pausen etc.) sehr gut sind.

Ich bin schnell erschöpft und habe sehr mit krankheitsbedingten Störungen (Angst, Zwängen, Depressionen) zu tun, und das ist es, was mich wirklich schafft. Ob es an den Medikamenten oder „einfach“ an der Situation mit meinen Eltern liegt (ich vermute, Beides), ich komme nie zur Ruhe damit. Ich habe oft ein Gefühl von Gefahr, bekomme Atemnot, und mir ist oft schwindlig (das können auch die Nebenwirkungen der Medikamente sein). Im Denken lande ich, wenn ich nicht aufpasse, immer beim Worst Case, und da ich soviele Bausstellen habe, habe ich viele Wahlmöglichkeiten um zu grübeln. Im Moment ist es eine ruhige Phase mit meinen Eltern, (die letzte Katastrophe vor 3 Monaten war schrecklich), die Nächste wird irgendwann kommen, und ich bin in einer Nummer drin, aus der ich nicht rauskomme, und die noch Jahre dauern kann. Ich bin mir sicher, daß viele von Euch dieses Gefühl kennen.

Ich halte mich knapp über Wasser mit Yoga, Erdungsübungen und Mantrasingen (In Gedanken, 2-3 stimmig)

Da ich mich so zurückziehe und oft Angst habe, ins Draussen zu gehen, bin ich leider auch mit der Zeit sehr vereinsamt. Es gibt schon ein paar Menschen, die um mich wissen, aber die vielen anderen, die ich kenne, leben ihr Leben, und da ich ja nicht den Mund aufkriege, wissen es nur wenige, wie es mir wirklich geht. (Es fällt mir auch jetzt schwer, darüber zu schreiben)

Meine schöne Kreativität ist gerade auch fast ganz verschüttet, und ich habe nicht einmal mehr Lust, zu häkeln (Hab im Winter 10 Schals gehäkelt).

Im Moment weiß ich nicht, wie ich da rauskommen soll.

Aber ich habe schon im Hinterkopf, daß das Leben aus Phasen besteht, und daß (hoffentlich) auch diese Phase vorübergeht. Sie dauert nun schon ein paar Monate, und ich hangle mich schon wieder auf dem Grad zwischen Erschöpfung und Aktivsein herum.

Ansonsten mache ich jeden Tag weiter, und versuche mein Bestes, fürs Draussen, aber auch für mich, bzw. ich übe es. Meine energetische Arbeit hilft mir sehr.

Und ganz allein bin ich nicht, das weiß ich.

Liebe Grüße!

 

 

 

 

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Bipolare Störung – Erfahrungsbericht

Gefühlt habe ich schon immer, daß ich nicht im Gleichgewicht bin. Daß ich immer zwischen Extremen hin-und herschwanke. Ich dachte, es liegt an meinem Sternzeichen Zwilling. Als ich vor vielen Jahren die Diagnose Depression und Angsterkrankung bekam, wunderte ich mich, daß ich in einer tiefen Depression sein konnte, und am nächsten Tag ging es mir supergut, war die Welt mehr als in Ordnung. Ich dachte, ich mache irgendwas falsch.

Es gibt 2 übergeordnete Formen der Störung (I und II). Bei der ersten kann man lange, teils monatelang anhaltende schwere Depressionen haben, dann monatelang eine manische Phase, in der sich manche durch unverhältnismäßige Geldausgaben und extremes Verhalten in große Schwierigkeiten bringen können.

Die Form, die ich erwischt habe (II), heisst Rapid Cycling, d.h, die Phasen der Depression und der sog. Hypomanie wechseln schnell (bei mir im Schnitt in 4 Tagen), und es treten Mischstimmungen auf (z.B. Depression und Panik gleichzeitig), die sehr unangenehm sind. Man muss sich das in etwa so vorstellen: Nimmt man eine Skala von 0 bis 10, dann ist bei einem gesunden Menschen die Stimmung zwischen 3 und 7 angesiedelt. Es gibt mal sehr schlechte Laune oder sehr gute Laune, aber im Großen und Ganzen bleibt die Stimmung stabil. Bei mir ist es entweder unter 3 oder über 7. Früher nahm ich meine hypomanen Phasen so wahr, daß ich dachte, so müsste das Leben immer sein. Das geht Vielen so. Die „Hoch“-Phasen werden oft als sehr angenehm empfunden, als „Normalität“. Ich hatte gute Laune, Lust auf Party, die Leute sagten, ich würde strahlen. Wenn ich „nur“ ruhig und ausgeglichen war, fühlte sich das für mich schon fast wieder wie eine Depression an. Dummerweise neigte ich dazu, meine Hoch-Phasen z.B. mit Alkohol zu verstärken. Ich merkte dann nicht, wenn ich müde war, konnte kaum stillsitzen, schlief zu wenig, überschätzte ständig meine Energie, und auf diese Weise habe ich mich bisher 3x in einen Burn-Out manövriert. Das begriff ich aber erst, als ich die Diagnose bekam. Da hatte ich schon jahrzehntelang dieses ständige Auf-und Ab gelebt. In Extremsituationen sind die Phasen sehr ausgeprägt, und vor allem die Depressionen sind sehr unangenehm. Bin immer wieder aus dem Arbeitsleben rausgefallen, weil ich am Anfang mit Vollgas losgelegt habe, das hohe Tempo aber nie lange durchgehalten habe, dann oft krank wurde, und letztlich den Job abbrechen musste, oder mir gekündigt wurde. Die ganze Zeit hatte ich Schuldgefühle, verglich mich mit anderen Menschen, die das Arbeitsleben aushielten, und musste mir auch eine Menge Scheiss anhören.

Inzwischen bekomme ich Medikamente, gegen die Depression und gegen die Hypomanie. Eigentlich mag ich es überhaupt nicht, regelmäßig Medikamente einnehmen zu müssen, schon gar nicht Psychopharmaka. Es war auch ein steiniger Weg, die Richtigen zu finden, und sie richtig zu dosieren. Wenn ich jetzt aber zurückblicke, wie es „ohne war“, so würde ich nicht dahin zurückwollen. Es war anstrengend und aufreibend mit den Schwankungen. Ich konnte mich nie auf meine Stimmung verlassen, zog mich extrem zurück, wenn die Depressionen da waren, verausgabte mich völlig in den Hochphasen. Dazwischen gab es nichts. Es hat eine Weile gedauert, bis ich mich an die Art Gleichgewicht, die die Medikamente generieren, gewöhnt hatte, denn es fühlte sich für mich immer noch mehr gedrückt an, als ausgeglichen. Woran ich selbst viel gearbeitet habe, ist die Fürsorge für mich selbst. Ich lerne langsam, nicht mehr so streng mit mir zu sein. Ich sorge für viele Pausen (habe im Moment auch die Krankschreibung akzeptiert als Chance, mich zu regenerieren, denn ich spüre immer noch die Nachwehen des Burnout). Ich füttere mich regelmäßig, und sehe zu, daß ich viel schlafe. Ich habe lange bestehende, schwierige Situationen aufgelöst und arbeite mit meinem inneren Kind.

Insgesamt bin ich inzwischen froh, die Diagnose bekommen zu haben, denn dadurch kann ich an mir arbeiten und verstehe mich selbst einfach besser. Trotz der Medikamente bin ich noch immer Ich, und ich muss mich auch nicht mehr schämen für das, was ich bin.

So ist das!

 

 

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Ein ganzes Jahr…

und etwas mehr habe ich mich nicht mehr gemeldet.

Jetzt, nach einigen Monaten fast internetfreier Zeit, und dem Überstehen einiger großer Veränderungen, kann ich wieder hinaus in die Welt sehen und möchte Euch berichten, wie es mir ergangen ist.

Ziemlich genau vor 1 Jahr bin ich aus meiner Wohnung im Haus meiner Eltern geflohen und habe in einem großen, unbewohnten, mit uralten Möbeln eingerichteten Haus mit einem großen Garten sozusagen aus dem Koffer gelebt. Eine liebe Freundin hat mir unkompliziert Zuflucht gewährt. Es war eine sehr schwere, aber nötige Entscheidung und es hat mich das ganze Jahr gekostet, die schwebende und sehr belastende Situation aufzulösen. Abgesehen von dem schweren Burnout, in dem ich wieder gelandet war, haben mich die Ereignisse so geschafft, daß ich im Winter für 11 Wochen in einer Tagesklinik gelandet bin. Nachdem ich jahrzehntelang mit der Diagnose Depression-Panikstörung eher nicht wirklich behandelt wurde, kam bei der Therapie heraus, daß ich an einer Bipolaren Störung (Typ II, schneller Wechsel der Phasen) leide. Im Nachhinein hat mir das endlich erklärt, was mit mir eigentlich los war die ganzen Jahre, und auch, warum ich mich jetzt schon das 3. Mal in einem Burnout wiedergefunden habe. Nach einer 6-wöchigen Reha im Anschluss an die Therapie schaffte ich es endlich, alle meine Sachen aus der alten Wohnung zu holen und auch wieder Frieden und Liebe in das Verhältnis zu meinen Eltern zu bringen, das zwischenzeitlich sehr belastet gewesen war. Ich konnte ein Haus weiter bei meiner Freundin 2 schöne Zimmer beziehen, und alle meine Sachen gut unterbringen. Meine Eltern versorge ich immer noch, mache für sie Besorgungen etc., aber so wie ich es mir am Schluss gewünscht hatte, mit einem Stützpunkt ausserhalb des Hauses, einen geschützten Raum. Der Umzug, den ich fast alleine machte, dauerte 4 Wochen und hatte mich erst mal wieder an den Rand der Erschöpfung gebracht. Im Moment bin ich noch krankgeschrieben, zumal ich gerade mit meinem Neurologen versuche, eine hilfreiche Medikation zu finden, was nötig, aber überhaupt nicht einfach ist.

So war das letzte Jahr bei mir. Es tut mir leid, daß ich mich privat kaum gemeldet habe, wichtige Termine verpasst und auch im Internet wenig reagiert habe. Hätte ich nicht ein paar wirklich guter Freunde hier in meiner Nähe gehabt, wüsste ich nicht, wo ich heute wäre. Ich bin noch immer in einer Art Übergang, weiß noch gar nicht, wie es bei mir vor allem arbeitsmäßig weitergeht und bin noch dabei, mich inmitten der bipolaren Schwankungen neu zu definieren.

Aber ich bin wieder da, und habe auch vor, mich in Zukunft wieder öfter zu melden.

Einen lieben Gruß an Euch Alle!

 

 

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