Lebenszeichen

Es ist nicht direkt eine Schreibblockade, es ist einfach viel zu viel, was mein Leben bewegt, weswegen ich so wenig hier schreibe. Im Moment wüsste ich gar nicht, wo anfangen und wo aufhören.

Früher habe ich mehr geschrieben, hatte ein großes Bedürfnis, mich mitzuteilen und auch Reaktionen zu bekommen (Am liebsten natürlich positive und hilfreiche), teilte viel und mit Freude Schönes aus meinem Leben.

Seit etwa 1 Jahr (seit eine meiner liebsten Freundinnen und meine kleine Hündin gegangen sind), bin ich insgesamt schweigsamer geworden. Und mein Leben hat sich zudem so sehr verändert, daß ich einfach weniger am Computer sitze. Lieber greife ich zur Zeit zur Gitarre oder zu einer Trommel oder verkrümele mich in den Wald, denn so sehr ich früher alle meine Gedanken aufschreiben oder bereden wollte, so sehr mag ich jetzt immer wieder Abstand davon nehmen, weiß ich doch, wie trügerisch und hemmend sie für mich sein können.

Mit meinen Gefühlen ist das noch mal eine ganz andere Sache.

Früher, in meinen depressiven Jahren hat irgendwas in mir alles dafür getan, negative Gefühle nicht fühlen zu müssen. Ich konnte es einfach nicht aushalten, und vielleicht ist das mit ein Grund, warum ich soviel über meine Gedanken schreiben musste, eine Flucht, die mich aber auch nur wieder in die Täuschung führte.

Durch die Trauer und auch durch die insgesamt schwierige Situation mit meinen Eltern haben sich meine Gefühle wohl mehr ausbalanciert, und ich beginne, auch die negativen Gefühle zuzulassen und auszuhalten (im Moment noch eher mit Ach und Krach). Das Wechselbad, in das ich dadurch eingetaucht bin, ist sehr, sehr anstrengend und chaotisch, und fordert im Moment meine ganze Kraft. Für mich als alte Psychosomatikerin logisch, daß sich das auch im Körper niederschlägt und ich seit 2 Wochen wieder mal krank zuhause bin. Ich hatte diese Krankheits-Phasen sehr oft in meinem Leben (früher noch viel öfter), und inzwischen sehe ich sie als echte Chance (auch wenn sie sehr unangenehm sind), meinen innerlichen Verarbeitungsrückstand aufzuholen und zu wachsen.

Hier zuhause kann von einem unveränderlichen Status Quo nicht die Rede sein, es gibt sehr gute und auch sehr schlechte Tage, wobei die Guten noch knapp überwiegen, dennoch muss man jeden Tag auf alles gefasst sein, denn alles kann in 1 Minute kippen. Wieder so ein Wechselbad.

Auch wenn ich inzwischen besser darin bin, auch mal richtig traurig zu sein (Das mit der Wut muss ich noch lernen), für die schönen Gefühle bleibt viel Raum. Dem Staunen über die Schönheit, die Freude über Freundschaft, die Liebe zu meinen Liebsten.

 

 

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5 Antworten zu Lebenszeichen

  1. meertau schreibt:

    Das mit dem Schreiben und dem Schweigen kann ich total gut nachvollziehen.
    Falls Du aber mal Wut lernen möchtest….. also als alte Vertreterin eines gepflegten Jähzorns könnte ich da aushelfen 😉

  2. zwillingswelt schreibt:

    Ich war ganz früher auch mal jähzornig, aber ich glaube, dahin möchte ich gar nicht mehr zurück, das war nicht gut. Und wir Zwei tun lieber mal lachen, das können wir wahrscheinlich Beide gut 🙂

  3. musenroessle schreibt:

    Huhu Liebe!

    Ja,es ist schon seltsam, wie sehr sich das mit den Befürfnissen ändern kann. Nicht nur beim schreiben.

    Mal konnte man sich ohne gar nicht mehr vorstellen… und dann ist es irgendwann einfach nicht mehr so wichtig…

    Vielleicht ändert sich das irgendwann wieder… vielleicht auch nicht…

    Bei dir stehen jetzt andere Dinge an. Vor allem auch die Zeit mit deinen Eltern.

    Und was später kommt… das weiss sowieso niemand.

    Liebe Grüße und *umarm*

    Klaudia

  4. zwillingswelt schreibt:

    Ich glaube tatsächlich, das viele Malen hat auch damit zu tun, daß ich mich weniger in der Wortwelt bewege und auch, daß ich so viel musiziere zur Zeit. Ich empfinde es derzeit oft als wohltuend, von den Worten, vom Kopf weg und mehr in den Körper zu gehen. Denn wie Du sagst, was später kommt, weiß niemand, und ständig drüber nachzusinnieren, bringt mich auch nicht weiter.

    Gaaanz liebe Grüße und Umarmung zurück 🙂

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