Das Leben

geht seinen Gang, und ich bin sehr froh, daß es uns Allen im Moment gut geht.

Die Eltern kamen gebräunt und erholt aus dem Urlaub zurück, aber ich konnte es meinem Vater ansehen, daß er erleichtert war, nun wieder etwas Unterstützung im Händeln meiner Mutter zu bekommen. Für mich waren die freien Tage hier zwar auch sehr angenehm, und die Pause hat mir gutgetan, aber der Übergang wieder zum „WG“-Leben war leicht und ich war erleichtert, sie heil wieder hier zu haben. Vor allem, weil sie nur 2 Tage vor dem Flugzeugabsturz mit derselben Airline von Spanien nach Deutschland geflogen sind.

Über den Absturz selbst will ich hier gar nicht viel schreiben und noch weniger spekulieren, das geschieht (in teils wirklich widerlicher Weise) im gesamten Internet und im Fernsehen und auch hier im Haus wird das Geschehen und die Entwicklung sehr genau verfolgt, so daß ich immer informiert bin, obwohl ich es selbst gar nicht mehr minutiös verfolgen möchte.

Jeden Tag sterben auf der Welt soviele Menschen auf grausamste Weise und kein Hahn kräht danach, weil es oft nicht so medienwirksam ausgeschlachtet werden kann, wie es im Moment geschieht. Zum Teil kann ich es verstehen, daß es viele Menschen sehr aufwühlt, denn es ist viel, viel näher, hier bei uns in Europa und zudem steht die Thematik vielen einfach näher (ich selbst habe vor 1 Woche einen Flug gebucht und mir wurde mehr als mulmig). Viele schreckliche Ereignisse in der Welt sind für die meisten Europäer einfach nicht vorstellbar, weil sie selbst nicht involviert sind, es noch nie erlebt haben, nicht in einem Krieg kämpfen müssen oder hungern müssen, ihr Zuhause verlieren, flüchten müssen oder gefoltert werden. Ich glaube, die Flugzeugkatastrophe hat bei vielen Menschen hier Vorstellungen ausgelöst, die sich realer anfühlen, als das, was sie sich abendlich in Krimis oder Katastrophenfilmen reinziehen. Auch ich hatte ein paar schreckliche Momente, in denen ich meine Vorstellungskraft wirklich verflucht habe. Doch während andere (fast zwanghaft, so kommt es mir vor) sich immer tiefer in das Böse reinwühlen, bewirkt so ein Geschehnis bei mir meist nach einer Weile, daß ich mich noch mehr dem Leben zuwenden will, weil ich wieder mal intensiv über den Tod nachgedacht habe. Und daß ich, nach tiefem Reinfühlen in das Grauen, zum Glück am Ende wieder darauf komme, daß ich es, würde mir etwas passieren, wahrscheinlich nicht ändern kann, und daß mir morgen ebenso gut ein Klavier auf den Kopf fallen kann. Daß es sinnlos ist, sich vorher den Kopf darüber zu zerbrechen, und Angst vor allem zu bekommen. Ich meine damit nicht Verdrängung, sondern die bei mir zum Glück seit einiger Zeit immer wieder aufkommende Erkenntnis, daß ich froh bin, daß ich lebe, und daß ich es akzeptieren kann, daß mein Leben irgendwann enden wird.

Aber in Anbetracht meiner persönlichen Situation hier mit meinen Eltern, und mit dem was auf mich zukommen mag, kann ich im Moment wahrscheinlich über meinen eigenen Tod abgeklärter denken, als über den meiner Lieben.

Doch das ist noch nicht da, und deswegen lebe und liebe ich, und freue mich über jeden neuen, guten Tag.

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