Noch eine Woche,

dann ist das Häuschen und somit unsere Zwei-Generationen-WG wieder komplett. Obwohl ich die ganze Zeit arbeite, ist das im Moment schon eine Art Erholungsurlaub für mich, und ich habe mich recht schnell wieder in das (mir so lange gewohnte) Alleinleben eingefunden. Doch ich merke, obwohl es oft angenehm ist, möchte ich auf Dauer nicht mehr so ganz alleine leben. Es verführt mich zu sehr zum Rückzug, der mir manchmal zwar gut tut, mich aber auch allzu leicht in etwas bringt, was mich an die zeitweilige Einsamkeit der letzten Jahre erinnert. Oft wurde ich regelrecht menschenscheu, und schaffte es, eine Woche im Loch zu bleiben, ohne auch nur einen einzigen Menschen zu sehen oder zu sprechen, und das empfinde ich inzwischen als nicht mehr gesund, denn je länger ich allein war, desto schwerer fiel es mir, wieder in Gesellschaft zu gehen und dann begann ich, mich auch einsam zu fühlen.

Es ist für mich zwar anstrengender, aber auch schöner, in einer Gemeinschaft zu leben. Das Leben wird unberechenbarer, aber auch lebendiger und spannender. In der Interaktion mit Menschen, die man liebt, ist jeder Tag anders: Es können Katastrophen, aber auch wunderbare Sachen passieren, es gibt ruhigere und bewegtere Zeiten,  gemeinsame Rituale, es gibt Überraschungen, gemeinsam zu meisternde Schwierigkeiten, genauso wie ruhige Momente. viel Geben und Nehmen, und in meinem Fall das sehr bereichernde Gefühl, helfen zu können und damit Liebe ausdrücken zu können.

Und es gefällt mir sehr, daß es möglich ist, Wohnraum zu teilen und richtig auszunutzen! Wenn ich mich z.B. alleine in meiner Straße umschaue, sind da viele große Häuser, die einst große Familien mit Kindern beherbergt haben. Nun sind die Kinder groß, und weggezogen, viele Zimmer stehen leer und manches Haus wird nur noch von zwei, manchmal nur noch von einem Menschen bewohnt, die immer älter und auch oft immer einsamer werden.

Ich habe natürlich ziemlich viel Glück mit meinen Eltern, da sie respektvoll und diskret gegenüber meinem Wohnbereich sind, (z.B. vorher ankündigen, daß sie ihn betreten möchten), daß sie keine überzogenen Erwartungen an mich haben, sondern wir viel miteinander darüber sprechen, was genau sie brauchen und wobei sie gerne meine Hilfe hätten. Sie respektieren sehr meinen Freiraum, sind aber beruhigt, daß im Notfall jemand da ist. Und sicher haben meine Eltern auch Glück mit mir, da ich meine, nicht immer leichte Vergangenheit als Kind meiner Eltern aufgearbeitet und hinter mir gelassen habe. Ich begegne ihnen als Erwachsene mit einem eigenen Leben, mit eigener Arbeit, mit Privatsphäre und eigenen Entscheidungen, und das ermöglicht es ihnen, auch das Eltern-sein-müssen, das Erziehenwollen lozulassen und mich zu respektieren.

Zumindest hat sich das in den letzten Jahren zwischen uns so entwickelt, und ist eigentlich meiner Meinung nach die wichtigste Basis für das Zusammenleben von mehreren Generationen.

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