Lautes Haus

Nachdem ich eine ganze Woche fast komplett in der Stille verbracht habe, geht es mir langsam besser. Normalerweise höre ich selten laut Musik, ausser im Auto, und die ersten Wochen hier im Haus waren doch sehr anstrengend, da mein Vater, der schon immer gern laut Musik gehört hat und auch meist den ganzen Tag das Radio laufen hat, durch seine Schwerhörigkeit den Lautstärkepegel inzwischen sehr hoch ansetzt. Auch beim abendlichen Fernsehen dröhnen die Bässe durchs zentrale Treppenhaus und sobald ich meine Zimmer verlasse, werde ich beschallt.

Andererseits ist mir aufgefallen, daß ich jemand bin, der ungern andere Menschen stört, und in dem Bestreben, leise zu sein, manchmal übertreibe, und mich spät abends, wenn sie zu Bett gegangen sind, wie ein Mäuschen in meinem Stockwerk bewege. Erst jetzt, da sie weg sind, merke ich, wie anstrengend das ist, und es wahrscheinlich gar nicht nötig wäre, sooooo leise zu sein, da beide schwerhörig sind, und ich mich wahrscheinlich ganz normal bewegen könnte und sie würden mich trotzdem gar nicht hören. Ich gehe da wahrscheinlich sehr von mir aus, da ich ein sehr gutes Gehör habe, und, manchmal zu meinem großen Leidwesen, extrem lärmempfindlich bin.

Jetzt so, in einem leeren Haus, in dem ich laut und leise sein kann, wie ich es brauche, finde ich langsam wieder zu meinen eigenen Lärmpegeln, die sich bei mir, je nach Stimmung sehr unterscheiden können. Das habe ich selten, denn auch in meiner alten Wohnung konnte ich zwar immer leise, aber nicht immer laut sein, und da ich eine Trommlerin bin, fehlt mir das schon manchmal, auch richtig laut werden zu können. Es macht Spaß und es tut gut, und wirkt sich auf mich sehr befreiend aus, mich einfach zuhause an die Trommel zu setzen und eine halbe Stunde zu wummern.

Ich habe lange Jahre in einem Land gelebt, in dem das Wort „Ruhestörung“ wesentlich weniger gebraucht wird, einfach weil ein anderes Temperament und eine andere Tageseinteilung herrscht (was für mein empfindliches Gehör auch nicht immer einfach war, aber ich habe gelernt, mit Ohrstöpseln zu leben). Das Schöne dort war, daß ich laut sein konnte, wenn ich das Bedürfnis danach hatte, und inzwischen merke ich, wie stark sich das auf mich auswirkt, hier in Deutschland damit viel mehr eingeschränkt zu sein, wie leise ich inzwischen geworden bin. Immer leise sein zu MÜSSEN, macht mich kleiner, irgendwie geduckter, und im Moment bin ich richtig froh, daß ich mein Lautsein mal wieder ausleben kann.

*Geht dann mal trommeln*

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3 Antworten zu Lautes Haus

  1. meertau schreibt:

    räusper….. nachdem ich hier oben ewig auf den gleichen beitrag starrte, habe ich soeben bemerkt, dass man hier von oben nach unten liest.
    *stirnklatschend*
    liebe grüße und ich hoffe, Sie trommelten laut!

  2. meertau schreibt:

    ah nein…. das stirnklatschen reicht gar nicht aus.
    man liest doch von unten nach oben.
    ich hatte nur dies bei meinem ersten besuch hier nicht kapiert.
    oh mann….. falls du das liest, wirst du vermutlich das ganze dorf zusammenbrüllen vor lachen…. (notiz an mich selbst: wie dämlich kann man eigentlich sein)

  3. zwillingswelt schreibt:

    Ach Nein! Ich freu mich einfach, von Dir zu lesen. Ich fand es auch etwas verwirrend, weswegen ich den ersten Post fixiert hatte, damit man überhaupt weiß, worum es hier in etwa geht. Ich habe am Anfang einfach drauflosgeschrieben, und die Posts nicht in Kategorien geordnet. (muss mal rausfinden, wie das geht). Im Zweifelsfall hilft das Archiv! Lieber Grüße Dir!!!

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