Aufgeschobene Entscheidungen

Ein kluger Freund hat mir mal vor vielen Jahren den Rat gegeben,                                             daß ich bei Entscheidungen einem ganz einfach Grundsatz folgen sollte, der heisst:               Im Zweifelsfalle immer: NEIN.

Das hat sich bei mir inzwischen sehr oft bewährt, vor allem, da ich ein Mensch bin, der sich mit Entscheidungen elend schwertut, da ich mir zu den vielen Für´s auch immer ebenso viele Wider´s einfallen, so daß ich einen ganzen Tag lang denken kann und immer noch nicht zu einer Lösung gekommen bin. Mittlerweile halte ich es bei meinen eigenen Entscheidungen so, daß ich das Denken irgendwann weglasse und ganz tief in mir nachfühle, und wenn es sich gut und richtig anfühlt, dann weiß ich, was ich zu tun habe.

Werden Entscheidungen aber von aussen diktiert, was heisst, daß jemand anderer eine Entscheidung treffen muss, die auch mein Leben betrifft, spult sich wieder ein ganz anderer Film ab, da ich nun überlegen muss, wie ich es hinkriege, damit alles positiv für mich UND für den anderen ausfällt, zumindest in meinem Kopf. Bei so etwas brauche ich oft lange Tage zum Überlegen, denn da ist meine Entscheidungshilfe nicht so leicht anzuwenden.

In den letzten 2 Wochen geisterten zwei große Entscheidungsfragen durch unser immer leicht schwankendes Schiff, an denen ich ablesen konnte, wie schwer sein muss, im hohen Alter Entscheidungen treffen zu müssen, bedeuten sie doch sehr oft Endgültigkeit, oder auch ein zu großes Maß an Unbekanntem, was für Menschen mit Jahrzehnten voller vertrauter Erinnerungen, und mit gleichzeitig stetig zunehmendem Sicherheitsbedürfnis sehr bedrohlich sein kann.

Das Aufgeben des geliebten Insel-Domizils und eine neue Hüfte für den Vater, zwei sehr gegensätzliche, aber auch stark miteinander verstrickte Themen, die alle Köpfe im Haus sehr zum Rauchen gebracht haben, vor allem meinen Vater, der Hauptentscheidungsträger, der erst mit großem Mut und einer Art Wut, (die man bekommt, wenn man eine Entscheidung möglichst schnell hinter sich bringen will, und quasi Sachen regelrecht von sich werfen will), alles verkaufen und so schnell wie möglich die OP machen wollte, dann aber plötzlich seine Schmerzen wieder erträglicher fand (weil sein Arzt grünes Licht für mehr Schmerzmittel gegeben hat).

Nun bleibt erst mal alles wie es ist (wobei ich weiß, die Sache mit der OP ist nur aufgeschoben).

Und es wird spannend, denn in einer Woche wollen meine Eltern auf die Insel fliegen, und wenn sie es heil bis dahin schaffen, wird es ihnen sicher sehr guttun. Gerade weil es durchaus möglich ist, daß sie das letzte Mal dorthin gehen können, bin ich froh, daß mein Vater, der lange bezweifelte, daß er es alleine mit meiner Mutter dort schafft, noch mal den Mut dazu gefunden hat. Es wird die Entscheidung, wenn sie dann wieder im Raum steht beim nächsten Mal, leichter machen, wenn er noch einmal dort war.

Ich persönlich bin froh, daß das Domizil auf der Insel, auf der ich selbst lange lebte, noch ein Refugium bleibt, allein zu wissen, daß es noch exisiert fühlt sich wie Urlaub an, und mir hat das Alles zudem zu der Entscheidung verholfen, im Sommer mal wieder dort hin zu reisen.

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