Nix für Feiglinge

dieses Älterwerden.

Ich hatte schon in jungen Jahren (ab ca. 24) durch einige Altenpflege-Praktika viel Kontakt zu sehr alten Menschen. Ich konnte schon immer gut mit Senioren, hatte auch nie Berührungsängste und habe hautnah auch die körperliche Seite des Altseins erlebt.
Dennoch habe ich es nie wirklich verstanden.
Wenn man jung ist, ist Vergänglichkeit so ziemlich das Letzte, was man begreifen kann. Es ist ungefähr so schwierig, wie es schwierig, oder eigentlich unmöglich ist, sich die Unendlichkeit des Alls vorzustellen. Man sieht und fühlt die zerfallenden Körper, den entschwindenden Geist, man beobachtet und hilft bei der Mühsal der sich Bewegens, man denkt wohl „Ja, so ist das!“, aber das wirkliche Verstehen, davon ist man in jungen Jahren weit entfernt, wenn man selbst danach aufspringen und tanzen und feiern kann.

Eine Ahnung, was Vergänglichkeit bedeuten könnte, bekommt man erst, wenn man älter wird, oder krank, oder Beides. Manche Menschen müssen dies leider schon früh erleben, bei mir setzte es so richtig mit 45 Jahren ein, als ich 2 Jahre lang körperlich nicht mehr der Mensch war, der ich bisher immer gewesen bin, und es danach auch nie mehr ganz wurde.

Je älter man wird, passiert es ausserdem, daß man immer mehr Lebewesen kennt, die krank sind, die sterben, und je näher sie einem stehen, umso schwieriger wird es, die Vergänglichkeit weiter zu ignorieren.

Der Punkt, an dem ich es nun so langsam richtig kapiere, ist es, die Menschen alt werden zu sehen, die ich schon mein Leben lang kenne – Meine Eltern.

Mein sportlicher Vater, der sich mit Jogging, Fahradfahren, Wandern, Schwimmen, Windsurfen und Wasserskifahren fitgehalten hat. Meine grazile, aber eher etwas unsportliche Mutter (zumindest was den Wassersport angeht), die jedoch gerne gewandert ist, und die stundenlang in ihren Gärten zu Gange war. Ich erinnere sie Beide immer in Bewegung, immer am Machen und Tun, inclusive ein Haus bauen.

Nun sehe ich sie mühsam laufen, ihre Kräfte verlieren, so viel bedachter sich bewegen, Schmerzen haben und verwirrt sein, und ich denke: Wahnsinn! Wie tapfer sie sind!

Inzwischen merke ich, inzwischen 52 Jahre, natürlich auch schon mehr von meinem eigenen Alter. Körperlich zumindest hat sich in den letzten 7 Jahren sehr viel verändert, es kam sozusagen in Riesenschritten etwas, was zuvor nur getrippelt ist. (Das allererste graue Haar entdeckte ich mit 20).

Im Vergleich zu meinen Eltern bin ich immer noch ein Hüpfer, obwohl ich es schon ein bißchen kenne, wenn man so gerne etwas machen möchte, es aber einfach nicht mehr kann.

Wenn ich mir dann vorstelle (und das kann ich mittlerweile an jedem Tag mehr), wie das für meine Eltern sein muss, denke ich, daß das Altwerden und auf das Ende des Lebens zugehen und alles loslassen, was man einst so geliebt hat, die wohl größte Herausforderung ist, die einem Menschen auferlegt wird.

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